Dienstag, 25. August 2015

Review: Divinity - Orignal Sin (PC/Mac)



Kurzes Vorwort: Ich habe den Divinity:OS-Blog kurz nach Release des Spiels während meiner ersten Spielstunden begonnen. Meine Zeit hat leider nicht gereicht, den Blog zu beenden, ich habe mich aber entschlossen meine ersten Eindrücke und die grundlegenden Beschreibungen des Charaktersystems trotzdem zu veröffentlichen und noch ein kleines Fazit anzuhängen, denn zum Durchspielen hat die Zeit so gerade eben gereicht ;-).

Vor gut zwei Jahren bin ich auf die Crowdfunding-Plattform "Kickstarter" aufmerksam geworden. Der Grund: die Kickstarter-Kampagne von Obsidian, die ein neues komplexes, partybasiertes PC-Rollenspiel im Geiste von Baldur's Gate entwickeln und sich hierfür die finanziellen Mittel durch Crowdfunding sichern wollten. Die Kampagne bei Kickstarter war ein großer Erfolg und seit diesem Tag freue ich mich auf dieses Projekt - so sehr, dass ein anderes Projekt total an mir vorüber gegangen ist: Divinity - Original Sin. Der belgische Entwickler Larian hat im März 2013 ebenfalls eine Kickstarter-Kampagne gestartet, um das sich zu der damaligen Zeit in Entwicklung befindende Divinity - Original Sin zu erweitern und um mehr Gameplay-Features in das Spiel zu integrieren. Da mich die Larian-Spiele bisher nicht interessierten, ist mir wohl auch die Newsmeldung hierzu total entgangen.
Als ich Anfang Juli 2014 einen Testbericht zu diesem Spiel auf GamersGlobal gelesen habe, war mein Interesse aber schlagartig geweckt und ich habe mir das Spiel umgehend gekauft - soviel vorweg: es hat sich mehr als gelohnt!

Divinity - Original Sin ist ein partybasiertes, isometrisches Rollenspiel mit taktischen Kämpfen, die rundenbasiert ablaufen. Die Gruppe des Spielers fasst maximal vier Charaktere, wobei zwei direkt zu Spielbeginn vom Spieler erschaffen werden müssen (quasi die Hauptcharaktere) und zwei weitere im Laufe des Spiel hinzukommen (wenn man das möchte). Es besteht auch die Möglichkeit, das Spiel nur mit den zwei Hauptcharakteren zu bestreiten (hierzu gibt es ein speziell auswählbares Talent, welches dann die zahlenmäßige Unterlegenheit durch stärkere Charakterboni ausgleicht).

Womit fängt jedes RPG erst mal an? Richtig, mit der Charaktererstellung. Hier kann man schon eine ganze Weile verbringen. Das Erscheinungsbild der Charaktere lässt sich nicht so ausufernd anpassen wie zum Beispiel in Skyrim. Geschlecht, Portraitbild, Kopf, Frisur und Unterhose - das war es, mir hat es gereicht, durch die isometrische Perspektive des Spiels ist die Kamera meist eh nicht so nah an den eigentlichen Charakteren, daher fällt dies kaum ins Gewicht. Viel mehr zählen hier die inneren Werte, also das Charaktersystem, und das ist durchaus komplex.
 

Zwei Hauptcharaktere wollen also erschaffen werden und man kann die gewünschten Klassen nun aus acht Klassen-Archetypen wählen (zum Beispiel Kämpfer, Kleriker, Hexe oder Bezauberer) und sich mit der Archetyp-Skillung zufrieden geben, man kann aber auch das vorhandene Skill-Vorbild selber anpassen oder komplett ändern.

Es fängt an bei den größtenteils klassischen Attributen wie Stärke, Gewandheit, Konsitution oder Intelligenz (wobei Stärke logischerweise für Kämpfer das Hauptattribut ist, während Schurken auf Gewandheit und Klassen mit magischem Schwerpunkt auf Intelligenz setzen).

 

Weiter geht es zu den Fähigkeiten, hier hat der Spieler diverse Möglichkeiten zur Auswahl, am prägendsten für den Charakter ist hier die Auswahl der Fertigkeiten, zum Beispiel Waffenkunde (für Kämpfer), Pyrokinetik (die Feuerzauber-Spezialisierung), Aerothurge (Luftzauberspezialisierung) oder Elite-Bogenschütze. Man kann diese Fertigkeiten kombinieren (als reiner Magier bieten sich auf jeden Fall zwei Magieschulen an, ein Kämpfer kann aber auch eine Magieschule lernen, was man aber wiederum bei der Attributverteilung beachten sollte, denn ein Kämpfer mit hoher Stärke und wenig Intelligenz bekommt einen Malus auf alle Zauber, die er wirken möchte. Trotzdem: die Möglichkeiten sind mannigfaltig und es gibt bei einigen Fertigkeitskombinationen schöne Synergieeffekte. Weiterhin findet man unter den Fähigkeiten die Möglichkeit sein Charisma zu steigern (was im Gegensatz zu D&D hier nicht zu den Attributen zählt) oder in Führung und Handwerk zu investieren, wobei ersteres der restlichen Gruppe diverse Boni gibt (quasi wie eine Aura des Führenden) und letzteres selbstredend die Handwerkfähigkeiten verbessert.
Zu jeder Fertigkeit kann man zu Beginn drei Anfangsfähigkeiten wählen.

 

Weiter geht es mit den Talenten. Welche Talente man wählen kann, hängt zum Teil davon ab, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten man gewählt. Es gibt zum Beispiel Talente, welche die Zauberreichweite erhöhen, die Rüstung verstärken oder Euch heilen, wenn der Charakter blutet oder in Blut steht. Hat man im Laufe des Spiels eine Fertigkeit "gemeistert" (sprich: die Fertigkeit auf Stufe 5 gebracht), werden weitere Talente zugänglich und die Spezialisierung des Charakters weiter unterstützen. So kann ein Waffenknecht der Stufe 5 das Talent "Zielsucher" wählen, welches den Verteidigungsmalus bei Flankenangriffen aufhebt.

Last but not least gibt es dann noch die Charakterzüge, die aber erst im Laufe des Spiels durch Reaktionen und Dialoge der Spielcharaktere ausgelöst werden. Eine Charakterzug-Gruppe besteht aus jeweils zwei gegensätzlichen Charakterzügen, zum Beispiel "selbstlos" und "egoistisch". Verhält man sich also selbstlos (Verzicht auf Belohnungen, den Schwachen helfen), so steigert dies den Charakterzug "selbstlos", welches den Ruf der Gruppe erhöht. Egoistische Charaktere bekommen einen Bonus auf das Tauschen. Noch ein Beispiel: "kühn" handelnde Charaktere bekommen einen Bonus auf die Initiative im Kampf, während es für umsichtige Charaktere einen direkten Bonus auf die Schleich-Fähigkeiten gibt.

Ein paar Worte zur Handlungs von Divinity: die beiden Charaktere, die der Spieler erstellt sind sogenannte "Quellenjäger". Der Orden der Quellenjäger ist eine Gruppierung, die sich dem Kampf gegen die verbotene "Quellenmagie" verschrieben hat. Im Auftrag des Ordens reist das Heldenduo per Schiff an die Küstenstadt Cyseal, um dort einen Mord an einem Ratsmitglied zu untersuchen, an dem vermutlich Quellenmagie eine Rolle gespielt haben könnte. Fast schon genretypisch startet das Duo an einem Strand vor Cyseal. Auf dem Weg zur Stadt wartet ein optionales Dungeon auf den Spieler, welches als Tutorial dient und die grundlegenden, spielmechanischen Besonderheiten erklärt.
Die Hauptgeschichte nimmt nur sehr langsam fahrt auf, den Spieler erwartet hier sicherlich keine cineastisch inszenierte Story wie zum Beispiel in Dragon Age 2, aber das ist auch gut so, denn so entfaltet sich die Stadt und die Spielwelt dem Spieler langsam aber intensiv. In Cyseal trifft der Spieler dann auch schon auf die beiden möglichen Partymitglieder Malora und Jarhan, so dass die Gruppe schon direkt zu Beginn voll ist (es sei denn man spielt wie weiter oben schon erwähnt als "Einsamer Wolf"). Auch das ist gut, denn so kann man seine Gruppe von Anfang an aufeinander abstimmen. [...]

Mein Fazit:
Mittlerweile ist es ein Jahr her, das ich D:OS durchgespielt habe. Zwischenzeitlich sind noch so einige große Rollenspiele erschienen, z.B. Dragon Age: Inquisition oder Pillars of Eternity, ein anderes Kickstarter-Projekt. Witcher 3 auch nicht zu vergessen, leider kann ich letzteres nicht beurteilen, da ich dieses Spiel kaum weniger als eine Stunde angespielt habe.
Was ich aber sagen kann: D:OS hat mir großartig gefallen. Knapp 90 Spielstunden habe ich in das Spiel gesteckt und selbst wenn mich die Story jetzt nicht außerordentlich stark gepackt hat, so hat doch das großartige Rundenkampfsystem meinen kompletten Spielspaß getragen. Weder Pillars of Eternity, welches sehr an die Retro-Gefühle der Baldur`s  Gate-Generation appelliert noch die neueste Dragon Age-Triple-A-Produktion von Bioware haben es mit Ihrer Kampfsystem-Spielmechanik geschafft, mich ähnlich zu motiveren.
Letztendlich sehe ich Divinity - Original Sin und Pillars of Eternity gleichauf . Ersteres bietet - wie schon erwähnt - das bessere Kampfsystem, letzteres hat die detailliertere Spielwelt und viel besser geschriebene Dialoge und Charaktere. Letztendlich muss man selber entscheiden, was einem in einem Computer-Rollenspiel wichtiger ist, mir haben beide Titel sehr viel Spaß gemacht. Da demnächst eine Extended-Edition von D:OS auch für PS4 und Xbox One ansteht, möchte ich an dieser Stelle diesen Titel jedem Rollenspiel- und Rundenkampf-Freund wärmstens ans Herz legen - für einen verregneten Herbsttag oder kalte Winterabende gibt es - neben einem schönen Schmöker - kaum etwas besseres.

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Spieleinfos:
Entwickler: Larian Studios / Publisher: Daedelic Entertainment
Plattformen: PC (Release: 30.06.2014) / PS 4, Xbox One (Release: 27.10.2015)
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